1

Außendienst

 

Mit meinem Piepser bewaffnet lungere ich hinter einem Bürogebäude im Gebüsch herum. Die Welt wirkt gespenstisch grün – diese blöde Nachtsichtbrille! Außerdem lässt mich das verdammte Ding wie einen Gasmaskenfetischisten aussehen und verursacht Kopfschmerzen. Die Luft ist klamm, es nieselt, und die Feuchtigkeit ist derart penetrant, dass sie Regenhaut und Handschuhe durchdringt. Ich warte seit drei geschlagenen Stunden darauf, dass der letzte Workaholic endlich nach Hause geht, damit ich durch ein Hinterfenster einsteigen kann. Warum habe ich diesem verdammten Andy bloß versprochen, mitzumachen? Ein staatlich sanktionierter Einbruch ist viel weniger romantisch als es klingt – vor allem, wenn man nur ein durchschnittliches Gehalt dafür bekommt.

(Andy, du Mistkerl! »Was übrigens deinen Antrag auf Außendienst betrifft – wir hätten da zufälligerweise einen kleinen Job zu erledigen. Kannst du vielleicht einspringen?«)

Ich trete von einem Fuß auf den anderen und puste mir in die Hände. Sonst rührt sich nichts.

Es ist elf Uhr nachts, und noch immer brennen in dem quadratischen Bienenstock ein paar Lichter. Haben diese Leute denn kein sonstiges Leben? Ich schiebe mir die Nachtsichtbrille auf die Stirn und auf einen Schlag wird alles dunkel. Nur aus diesen beschissenen Fenstern schimmert noch immer Licht – wie Glühwürmchen, die in den leeren Augenhöhlen eines Totenschädels nisten.

Plötzlich scheint ein Bienenschwarm meine Eingeweide zu umsurren. Leise fluchend ziehe ich die Regenhaut hoch und hole den Piepser heraus. Weil er nicht beleuchtet ist, muss ich es riskieren, meine Taschenlampe aufblitzen zu lassen. Die Nachricht lautet: MGR GEHT 5 MIN. Ich will gar nicht wissen, woher sie die Info haben. Noch fünf Minuten Versteckspiel hinter dem Zentrum für Qualitätssicherung der Memetix (UK) Ltd. der Niederlassung eines Multikonzerns aus dem kalifornischen Menlo Park – und dann kann ich endlich meinen Job erledigen.

Irgendwo da im Gebäude gähnt der letzte, spät arbeitende Manager und greift nach der Fernbedienung, um schon einmal seinen BMW zu entriegeln. Die Putzkolonne ist bereits gegangen; die großen Server summen eintönig in ihrem voll klimatisierten Mutterleib, eng an den Versorgungsschacht des Bürogebäudes geschmiegt. Jetzt heißt es nur noch, nicht dem Sicherheitsmann über den Weg zu laufen, und schon bin ich so gut wie zu Hause.

In der Ferne ist ein hustendes Geräusch zu hören – ein Motor springt an. Er heult kurz auf, und gleich darauf rast ein Auto mit vor Feuchtigkeit quietschenden Reifen über den Parkplatz. Während das Motorengeräusch allmählich in der Nacht verhallt, vibriert schon wieder mein Piepser: GO GO GO! Ich mache mich auf den Weg.

Kein Bewegungsmelder löst Alarm aus. Keine Meute Rottweiler stürzt sich auf mich, und Wachmänner mit Stahlhelmen sind auch nicht zu sehen: Schließlich befinde ich mich weder in einem zweitklassigen Thriller noch bin ich Arnold Schwarzenegger. (Andy meinte: »Falls sich dir jemand in den Weg stellt, lächle einfach und zeige deine Karte. Und ruf mich an. Ich werde mich dann darum kümmern. Den Alten aus dem Bett zu klingeln bringt dir zwar ein paar Minuspunkte ein, aber die sind auf jeden Fall besser als ein Schädelbasisbruch. Das Croxley-Gewerbegebiet ist nicht Novaja Semlja, und mit eingeschlagenem Schädel die Welt vor dem Bösen zu retten macht auch keinen Sinn, okay?«)

Ich schleiche durch das matschige Gras zu dem auserkorenen Fenster. Ein kurzer Ruck und schon ist es offen. Dummerweise liegt es unbequem weit    oben, mehr als einen Meter über dem Gulli. Ich hieve mich auf das Fensterbrett hoch und steige ein. Aus Versehen stoße ich einen Stapel Disketten um, der sich über den ganzen Boden ergießt. Der Raum leuchtet unheilvoll grün hinter meiner Nachtsichtbrille, von den hellen Wärmequellen der abgeschalteten Monitore einmal abgesehen. Vorsichtig lasse ich mich auf einen Schreibtisch herunter, auf dem sich jede Menge Krimskrams stapelt. Ich frage mich noch, wie mein Einbruch eigentlich unbemerkt bleiben soll, wenn der Besitzer meine Stiefelabdrücke zwischen seinen vertraulichen Unterlagen, der Tastatur und einem Becher mit abgestandenem Kaffee entdeckt. Und dann springe ich auch schon auf den Boden des Zentrums für Qualitätssicherung – und die Uhr läuft.

Wieder vibriert der Piepser. LAGRER Ich hole mein Handy aus der Brusttasche, tippe eine dreistellige Nummer und stecke es wieder ein. Nur um sie wissen zu lassen, dass ich drin bin und alles nach Plan läuft. Übrigens typisch Wäscherei – sie werden sogar die Handyrechnung dem Bericht beilegen! Die Zeiten sind schon lange vorbei, als es noch spontane Geheimaufträge gab …

Die Räumlichkeiten der Memetix (UK) Ltd. spiegeln die übliche Bürohölle wider: lauter gesichtslose beige Trennwände, die das Konzerndasein in winzig kleine Würfel unterteilen. Der Kopierer thront wie ein Altar vor einer Wand, die mit Bürodevotionalien vollhängt – unnütze Listen, Memos, Kursangebote für den eifrigen Mitarbeiter. Ich schaue mich nach Arbeitsplatz D 14 um. An einer Seite der Trennwand hängen Dilbert-Cartoons – wohl Hinweis auf einen rebellisch angehauchten Geist. Bestimmt dreht das mittlere Management seine Runden, bevor ein Besuch aus den oberen Etagen ansteht, und reißt alle Bilder, die Unmut signalisieren könnten, von den Wänden. Ich verspüre für einen kurzen Moment einen Anflug von Mitleid. Das arme Schwein! Wie fühlt man sich wohl, wenn man in einer dieser Zellen im Herzen der neuen industriellen Revolution feststeckt und nie weiß, wo der Blitz als Nächstes einschlägt?

Auf dem Schreibtisch stehen drei Monitore – zwei große, aber ansonsten normale, und ein ziemlich seltsam aussehendes Teil, das schon über zehn Jahre alt sein und noch aus den Tiefen der Computerrevolution stammen muss. Wahrscheinlich eine alte Symbolics-LISP-Maschine oder so. Diese Antiquität würde mich zwar reizen, aber leider habe ich keine Zeit, denn der Typ vom Sicherheitsdienst wird in genau sechzehn Minuten seine nächste Runde drehen. Auf beiden Seiten des Schreibtisches liegen stapelweise Bücher: Knuth, Dijkstra, Al-Hazred und weniger bekannte Namen. Ich setze mich und rümpfe sofort angewidert die Nase. In einer der Schreibtischschubladen hat irgendwas den Jordan überquert und das wohl schon vor einiger Zeit.

Tastatur: Check. Root-Benutzer: Ich hole die entwendete S/Key-Chipkarte heraus, die der Wäscherei von einem der Memetix-Lieferanten zugespielt wurde, und gebe das Passwort in das Terminal ein. (Einmal-Passwörter sind verdammt schwer zu knacken, aber zum Glück hat die Wäscherei ihre Hiwis.)

Malcolm – an dessen Tisch ich sitze und dessen Tastatur ich gerade beschmutze – züchtet offensichtlich eine Ameisenkolonie: Unter seinem Tisch stapeln sich ausgeschlachtete Computer und ein seltsamer Frankenstein-Server, dessen Inneres den Elementen ausgesetzt ist und wie ein Generator sonor vor sich hin brummt. Einen Augenblick lang suche ich panisch nach versteckten silbernen Pentagrammen und schimmernden Runen, die sich unter der Desktop-Oberfläche verbergen könnten. Aber alles scheint in Ordnung zu sein. Ich befinde mich in einem Wirrwarr von Dateisystemen, die alle irgendwie gleich wirken. Scheiße, Scheiße, Scheiße! So sah das in Hexenjagd in LA. aber nie aus. Ich hole erneut mein Handy heraus und wähle.

»Capital Wäscherei, wie kann ich Ihnen helfen?«

»Geben Sie mir einen Hostnamen und ein Quellenverzeichnis. Ich bin zwar drin, weiß aber nicht weiter.«

»›auto – Slash – share – Slash – fs – Slash – scooby – Slash – netapp – Slash – user – Slash – home – Slash – malcolm – Slash – großes R – Slash – catbert – Slash – world – Unterstrich – domination – Slash – manifesto‹«

Ich tippe so schnell, dass meine Finger fast ins Stolpern geraten. Ein leises Klicken ist zu hören. Der Frankenstein-Server kann jetzt auf Scoobys riesige Dateienmatrix zugreifen, um die am dämlichsten benannte Datei des gesamten Firmen-Intranets zu finden.

»Einen Augenblick … Ja, ich hab’s!« Ich schaue mir das verdammte Ding genauer an und lese: Überlegungen hinsichtlich eines Beweises für die Polynom-Ganzheit bei Hamiltonischen Netzwerken. Rasch überfliege ich den Text. Er sieht echt aus. »Volltreffer.« Plötzlich spüre ich den unangenehmen Schweißfilm, der sich auf meinem Rücken gebildet hat. »Ja, das ist es. Und tschüss.«

»Tschüss.«

Ich klappe das Handy zu, starre auf den Text. Kurz zögere ich.

Das Arschloch in mir übernimmt für einen Moment das Kommando, und ich hacke schnell einen Befehl in die Tastatur, um die belastende Datei an meine persönliche Emailadresse zu schicken. Auf diese Weise kann ich sie später in Ruhe lesen. Dann ist es an der Zeit, den Server in Rauch aufgehen zu lassen und die Datei ins digitale Jenseits zu befördern. Falls Malcolm seinen Text wiederhaben will, muss er die Hilfe des GCHQ, also des britischen Geheimdienstes, in Anspruch nehmen.

Wieder summt mein Piepser. LAGREP. Ich tippe drei weitere Zahlen in mein Handy und verlasse Malcolms Arbeitsplatz. Hastig steige ich auf den chaotischen Schreibtisch am Fenster und verschwinde mit einem Sprung in der kalten Frühlingsnacht. Draußen ziehe ich mir die Latex-Handschuhe von den Fingern und winke mit befreiten Händen dem Mond zu.

Ich bin so erleichtert, dass mir der umgestoßene Stapel Disketten erst wieder einfällt, als ich schon im Nachtbus auf dem Weg nach Hause bin.

 

Als das Handy klingelt, liege ich im Tiefschlaf.

Das Telefon steckt von letzter Nacht noch in meiner Jackentasche, sodass ich ein Weilchen verschlafen auf dem Boden herumtaste, während es fröhlich vor sich hin surrt. »Hallo?«

»Bob?«

Es ist Andy. Ich versuche, ein Stöhnen zu unterdrücken. »Wie viel Uhr ist es?«

»Halb zehn. Wo steckst du?«

»Im Bett. Was ist –«

»Ich dachte, du würdest dich bei der Nachbesprechung blicken lassen. Wann kannst du hier sein?«

»Mir geht es nicht so toll. Bin erst gegen halb drei nach Hause gekommen. Warte mal … Ginge elf?«

»Muss es wohl.« Er klingt verschnupft. Andy soll sich bloß nicht so haben! Schließlich war er nicht derjenige, der sich vergangene Nacht den Hintern abgefroren hat. »Bis nachher also.« Er muss das implizierte Sonst … nicht einmal laut aussprechen. Der Geheimdienst Ihrer Majestät hat noch nie viel von revolutionären Konzepten wie Gleitzeit und menschenwürdigen Arbeitsstunden gehalten.

Müde stolpere ich ins Bad und starre beim Pinkeln auf den dünnen Rand aus schwarzem Schimmel, der sich um das Fenster bildet. Ich bin allein im Haus; die anderen sind entweder zur Arbeit oder für immer weg. (Das heißt, Pinky und Brain sind bei der Arbeit, während Mhari sich endgültig aus dem Staub gemacht hat.) Ich nehme meine fast schon antike Zahnbürste und absolviere mein morgendliches Ritual. Wenigstens ist die Heizung an. Unten in der Küche fülle ich die Espressokanne mit atombombenstarkem Kaffeepulver und stelle sie auf den Gasherd. Wahrscheinlich schaffe ich es tatsächlich bis elf in die Wäscherei und habe sogar noch Zeit, richtig zu mir zu kommen. Schließlich muss ich für das Meeting fit sein. Ist letzte Nacht wirklich alles gut gelaufen? Jetzt, wo ich nichts mehr machen kann, fallen mir die Disketten ein.

Lähmendes Grauen ist ja recht nett, wenn man sich vor dem Fernseher räkelt und einen Slash-Film reinzieht. Aber es macht schon wesentlich weniger Spaß mit einem halben Liter starken Kaffee intus. Albtraumartige Bilder flackern kurz vor meinem inneren Auge auf: schriftliche Abmahnungen, Arbeitslosigkeit, Strafanzeige wegen Teilnahme an einem geheimen Auftrag, der im Nachhinein nicht mehr autorisiert war. Am schlimmsten aber ist die Vorstellung, dass ich nach Hause kommen und Mhari zusammengerollt auf dem Sofa im Wohnzimmer entdecken könnte. Dieses Bild sollte ich lieber gleich wieder streichen.

Die Traurigkeit, die sich für einen Moment in mir auszubreiten droht, wird von einem Gefühl tiefer Erleichterung abgelöst, gewürzt mit ein bisschen Einsamkeit. Die Einsamkeit des Spions, der aus der Kälte kommt? Verdammt. Ich sollte mich wirklich zusammenreißen. Schließlich bin ich weder Smiley noch James Bond und leider gibt es auch keine sexy KGB-Miezen, die mich in jedem Hotelzimmer dieser Welt vernaschen wollen. Das gehört zu den ersten Dingen, die man in der Capital Wäscherei lernt (»Wäscht weißer als weiß!«): Das Leben ist kein Spionagefilm, Arbeit hat nichts Romantisches, und unser Job ist nicht besonders aufregend. Vor allem dann nicht, wenn man in einer verregneten Nacht im Gebüsch irgendeiner Firma herumlungern muss und sich dabei die Eier abfriert.

Manchmal bedauere ich es wirklich, nicht die Gelegenheit beim Schopf gepackt und Buchhaltung studiert zu haben. Das Leben könnte so viel mehr Spaß machen, wenn ich nur damals am Anfang meiner  Universitätslaufbahn auf die Studienberatung gehört hätte … Aber ich brauche das Geld, und vielleicht bekomme ich ja bald mal etwas Spannenderes. Bis dahin bleibe ich bei meinem Job, denn die Alternativen sind auch nicht besser.

Mit solchen Überlegungen mache ich mich auf den Weg zur Arbeit.

 

Die Londoner U-Bahn ist nicht gerade für ihre zahlreichen Toiletten bekannt. Darum wissen nur die wenigsten, dass es in der Station Mornington Crescent sogar ein öffentliches Klo gibt. Es ist nicht ausgeschildert, und wenn man das U-Bahn-Personal danach fragt, schüttelt es verneinend den Kopf. Trotzdem ist es da, denn wir haben es verlangt.

Ich nehme die Metropolitan Line und zwänge mich mit einer Herde schon jetzt erschöpfter Pendler in eine muffige Sardinenbüchse. Am Euston Square wechsle ich in die Northern Line. An der nächsten Station steige ich aus, laufe die Treppe hoch, verschwinde bei »Herren« und betrete dort die rechte Kabine. Anstatt die Wasserspülung nach unten zu drücken, presse ich sie nach oben, und die hintere Wand öffnet sich – einschließlich Wasserkasten. Dahinter befindet sich der Vorraum. Es sieht alles ein bisschen wie die Ausstattung eines mit magerem Budget versehenen B-Movie aus, das Remake eines Spionagethrillers aus dem Hollywood der Sechzigerjahre. Vor einiger Zeit habe ich mich mal bei Boris erkundigt, warum wir uns eigentlich die Mühe machen, aber er lachte nur und schlug mir vor, Angleton zu fragen – was so viel bedeutet wie »Vergiss es«.

Die Wand schließt sich hinter mir, und ein elektromagnetischer Riegel entsperrt die Kabinentür. Das Klomonster wartet auf sein nächstes Opfer. Ich lege meine Hand in den ID-Scanner, hole meine Dienstmarke aus dem Schlitz daneben und überschreite die rote Linie der eigentlichen Türschwelle. Ein weiterer Arbeitstag in der Capital Wäscherei, wo diskrete  Agenten die Schmutzwäsche für die Regierung erledigen.

Erster Halt: mein Büro. Wenn man es als Büro bezeichnen kann. Es ist eher eine Nische zwischen Schließfächern und Aktenschränken. Dazwischen haben die Heinis vom Gebäudemanagement einen Schreibtisch und einen kaputten Drehstuhl hineingezwängt. Ich werfe Mantel und Jacke darauf und schon säuselt mir mein Computer entgegen: SIE HABEN POST. Was du nichts sagst, Sherlock, ich habe immer Post! Es ist geradezu eine Frage von Leben und Tod: Falls ich einmal keine Nachrichten erhalten sollte, wäre wohl die Welt aus den Fugen geraten.

Auf meinem Tisch steht außerdem ein Becher mit kaltem, abgestandenem Milchkaffee, auf dem bereits Fettaugen schwimmen. Marcia ist anscheinend wieder mal übermäßig effizient gewesen. Eine gelbe Notiz kringelt sich vorwurfsvoll auf einer meiner Tastaturen: MEETING 9.30 UHR, RAUM B4. Verdammte Scheiße, wie konnte ich das nur vergessen?

Ich mache mich auf den Weg zu B4.

An der Tür leuchtet ein rotes Licht. Ich klopfe an und wedele kurz mit meiner Dienstmarke, falls sich die Fuzzis von der Sicherheit überhaupt darum scheren. Drinnen ist die Luft zum Schneiden dick. Anscheinend hat Andy mal wieder ohne Unterbrechung seine französischen Fluppen geraucht. »Hey«, sage ich. »Alle da?«

Boris der Maulwurf schaut mich mit unbewegter Miene an. »Du bist spät dran.«

Harriet schüttelt den Kopf. »Nicht jetzt.« Sie schiebt ihre Papiere zu einem perfekten Stapel zusammen. »Gut geschlafen, hoffe ich?«

Ich ziehe einen Stuhl heraus und lasse mich darauf fallen. »Gestern Nacht habe ich sechs geschlagene Stunden damit verbracht, mich in die Psyche eines Busches einzufühlen. Inklusive dreifachem Platzregen, und einmal regnete es kleine, recht verwirrte Frösche.«

Andy drückt seine Zigarette aus und setzt sich gerade hin. »Nachdem wir jetzt alle da sind …« Er schaut Boris fragend an. Boris nickt. Ich versuche, keine Miene zu verziehen. Ich hasse es, wenn die alte Garde versucht, einen auf Haltung zu machen.

»Volltreffer.« Andy grinst mich an. Mir bleibt vor Schreck fast das Herz stehen. »Du kommst heute Abend mit in den Pub, Bob. Ich zahle. Note Eins für deine Ergebnisse, Note Drei Plus für die Feldarbeit – also alles in allem eine gute Zwei.«

»Echt? Ich dachte, ich hätte schon beim Einsteigen das volle Chaos –«

»Nein, hast du nicht. Wenn es kein halb geheimer Auftrag gewesen wäre, hättest du natürlich deine Schuhe verbrennen müssen. Aber das war nicht so schlimm. Es gab keine Zeugen, du hast problemlos deine Aufgabe bewältigt, und man kann dir nichts nachweisen. Dr. Denver wird zu seinem Schrecken feststellen, dass er Opfer der Personaleinsparung wird und sich einen Job suchen muss, der weniger heikel ist.« Er zuckt lässig mit den Schultern. »Viel mehr gibt es eigentlich nicht zu sagen.«

»Aber der Sicherheitsmann hätte mich –«

»Der Sicherheitsmann wusste, dass ein Einbruch stattfinden würde, Bob. Er hätte sich nicht von der Stelle gerührt, nichts gesehen und auch keinen Alarm ausgelöst. Es sei denn, irgendwelche Gruselgestalten wären plötzlich aus der Wand gekommen, hätten sich auf ihn gestürzt und ihn als Leckerbissen verspeisen wollen – dann hätte er sich vielleicht von der Stelle bewegt.«

»Es war also ein abgekartetes Spiel?«, frage ich ungläubig.

Boris nickt. »Ein gelungenes abgekartetes Spiel.«

»War es das denn wert?«, will ich wissen. »Ich meine, schließlich habe ich diesem armen Schwein die Arbeit von sechs Monaten zerstört –«

Boris nickt angemessen bedächtig und schiebt eine offiziell aussehende Memo-Mappe über den Tisch. Sie hat einen rotgelb gestreiften Zickzackrand und die Wörter STRENG GEHEIM sind darauf gestempelt. Ich öffne sie und schaue auf die Titelseite: Einige Überlegungen hinsichtlich eines Beweises für die Polynom-Ganzheit bei Hamiltonischen Netzwerken. Darunter steht: Formaler Richtigkeitsbefund. Offenbar ist einer unserer Wunderknaben über Nacht schon zu Gange gewesen, um das Theorem auf Herz und Nieren zu prüfen. »Hat er das Turing-Ergebnis wiederholt?«

»Leider schon«, sagt Boris.

Harriet nickt. »Du willst wissen, ob sich letzte Nacht gelohnt hat, Bob. Das hat es. Wenn du keinen Erfolg gehabt hättest, wären wir vielleicht gezwungen gewesen, weitreichende Maßnahmen zu ergreifen. Das ist natürlich immer möglich, aber meistens versuchen wir, solche Angelegenheiten so unauffällig wie möglich zu bereinigen.«

Ich nicke und klappe die Mappe zu, um sie dann wieder Boris zuzuschieben. »Was steht noch auf der Agenda?«

»Pünktlichkeit«, sagt Harriet. »Es macht mir etwas Sorgen, dass du heute Morgen nicht rechtzeitig zur Nachbesprechung kommen konntest. So läuft das hier nicht, das ist dir doch klar«, fügt sie hinzu. (Andy, der mehr oder weniger weiß, wie ich ticke, schweigt.)

Ich starre sie an. »Wie du weißt, habe ich sechs Stunden in einem nassen Gebüsch gestanden und bin dann in ein Büro eingebrochen. Und das nach einem vollen Arbeitstag.« Ich lehne mich nach vorn und komme richtig in Fahrt: »Falls du es vergessen haben solltest, war ich gestern bereits um acht Uhr hier. Dann hat Andy mich nachmittags um vier gebeten, euch bei dieser Sache zu helfen. Hast du jemals versucht, um zwei Uhr morgens, wenn du bis auf die Knochen nass bist, mit dem Nachtbus von Croxley ins East End zu kommen, während es wie aus Eimern schüttet und die einzigen anderen Leute an der Bushaltestelle eine ziemlich dubiose Gestalt und ein Besoffener sind, der noch dazu wissen will, ob du ihn für eine Nacht bei dir aufnehmen kannst? Für mich machen das insgesamt zwanzig verdammt harte Stunden Arbeit. Soll ich dir meine Überstunden aufschreiben?«

»Du hättest trotzdem anrufen können«, erwidert sie gereizt.

Ich werde diese Auseinandersetzung nicht gewinnen, auch wenn ich weiß, dass ich die besseren Argumente habe. Es lohnt sich nicht, mit meiner direkten Vorgesetzten wegen solcher Banalitäten einen Streit vom Zaun zu brechen. Ich lehne mich also zurück und gähne, wobei ich versuche, nicht allzu viel Rauch einzuatmen.

»Fahren wir mit der Tagesordnung fort«, sagt Andy. »Was geschieht mit Dr. Malcolm Denver? Wir müssen handeln, das zeigt dieses Papier eindeutig, so etwas können wir nicht einfach herumliegen lassen. Dafür ist es schlichtweg zu nahe an der Wahrheit. Wenn er das veröffentlicht und reproduziert, könnten wir uns innerhalb weniger Wochen einem Realitätsausfall Stufe Eins gegenübersehen. Aber wir dürfen diesmal auch nicht alles wie üblich stillschweigend unter den Teppich kehren. Die Aufsichtsabteilung würde uns an die Gurgel gehen. Gibt es irgendwelche Vorschläge? Aber nur brauchbare, Bob.«

Harriet schüttelt den Kopf. Boris sitzt regungslos da und ist einfach Boris. (Boris gehört zu Angletons unheimlichen Handlangern. Ich vermute mal ganz stark, dass er in einem früheren Leben die zaristischen Feinde im Auftrag der Ochrana eingefroren hat oder Berias Mundschenk war. Jetzt verwandelt er sich bei internen Anfragen nur noch in die Berliner Mauer.) Andy tippt mit dem Zeigefinger auf den Tisch. »Warum machen wir ihm nicht ein Angebot, für uns zu arbeiten?«, schlage ich vor. Harriet schaut betont in eine andere Richtung. Sie ist, wie gesagt, meine direkte Vorgesetzte und will deshalb deutlich signalisieren, dass dieser Vorschlag bestimmt nicht ihren Segen hat.

»Na ja –« Ich zucke mit den Schultern und überlege, wie ich meine Idee am geschicktesten verkaufen könnte. »Er hat das Turing-Lovecraft-Theorem quasi von Null abgeleitet. Nicht viele sind dazu in der Lage. Man kann also vermuten, dass er nicht auf den Kopf gefallen ist. Ich nehme außerdem an, dass er reiner Theoretiker ist, dem noch nicht klar ist, was es praktisch bedeutet, eine korrekte geometrische Relation zwischen Kraftfeldern zu spezifizieren. Wahrscheinlich hält er das Ganze für einen Scherz.

Ich habe keinen Hinweis auf Dee oder die anderen entdeckt, von ein paar obskuren Titeln unter seinen Büchern einmal abgesehen. Das heißt, er ist nicht direkt gefährlich. Wir könnten ihm die Möglichkeit bieten, seine Interessen und Fähigkeiten durch eine neue Herausforderung weiter zu entwickeln – natürlich nur, wenn er willig ist, für den Geheimdienst zu arbeiten. Das würde ihn dann zudem zu Paragraf drei verpflichten.«

Paragraf drei des Geheimdienstgesetzes von 1916 ist unsere Hauptwaffe im endlosen Kampf gegen undichte Stellen. Er wurde im Ersten Weltkrieg, einer Zeit tief sitzender und extremer Paranoia, wegen der großen Angst vor Spionen erlassen und ist sogar noch bizarrer als allgemein vermutet wird. Die Öffentlichkeit kennt nur die ersten zwei Absätze des Gesetzes und zwar deshalb, weil Paragraf drei durch die vorhergehenden als Geheim klassifiziert werden konnte. Allein das Wissen um Paragraf drei ist eine Straftat, wenn man ihn vorher nicht offiziell gesehen und unterzeichnet hat. Paragraf drei beinhaltet einige reizvolle Möglichkeiten für Spione wie uns, er ist sozusagen ein bürokratisches Spielfeld für Verdunkelungsstrategien. Alles nur Denkbare kann sich hinter Paragraf drei verbergen und so tun, als wäre es nie geschehen. In Amerika bezeichnet man so etwas als eine »schwarze Operation«.

»Wenn er Paragraf drei unterschreiben soll, brauchen wir aber einen Job und ein Budget für ihn«, gibt Harriet vorwurfsvoll zu bedenken.

»Ich bin mir sicher, dass er nützlich sein könnte,« wirft Andy lässig ein. »Boris, könntest du dich in deiner Abteilung umhören, ob sie zufällig einen Mathematiker oder einen Kryptografen oder so etwas brauchen? Ich werde mir auch eine Notiz machen und dem Direktorium vorlegen. Harriet, wenn du es ins Protokoll einfügen könntest? Und du, Bob, bleib nach dem Meeting kurz da, ich will mich mit dir doch noch mal über Zeitmanagement unterhalten.«

Oh Scheiße, denke ich.

»Sonst noch etwas? Nein? Gut, Leute, dann ist die Besprechung beendet.«

Sobald wir uns allein im Sitzungszimmer befinden, schüttelt Andy den Kopf. »Das war nicht sehr klug von dir, Harriet so zu reizen, Bob.«

»Ich weiß.« Ich zucke mit den Schultern. »Irgendwie verspüre ich einfach jedes Mal, wenn ich sie sehe, das dringende Bedürfnis, ihr eins auszuwischen.«

»Vielleicht. Aber sie ist rein technisch gesehen deine direkte Vorgesetzte. Und ich bin das nicht. Das bedeutet, dass du anrufen musst, falls du zu einem Kick-Off-Meeting zu spät dran bist. Sonst wird sie gewaltigen Stunk machen. Und da sie sogar das Recht dazu hat, werden dir weder Matrix-Management noch irgendwelche Konfliktbewältigungskurse helfen. Sie wird deine jährliche Mitarbeiterbeurteilung so aussehen lassen, als ob es sich um die Kulturrevolution handelt und als ob du dich als wiedergeborener Himmler entpuppt hättest. Ist dir das klar?«

Ich lasse mich wieder auf einen Stuhl sinken. »Ja, im bürokratischen Sinne sehr klar.«

Er nickt. »Ich verstehe dich ja, Bob. Wirklich.    Aber Harriet steht extrem unter Druck. Sie hat unglaublich viele Projekte, die sie alle unter einen Hut bringen muss, und das Letzte, was sie da gebrauchen kann, ist, zwei Stunden auf dich zu warten, nur weil du es in der Nacht zuvor nicht für nötig gehalten hast, eine Nachricht auf ihrer Voicemail zu hinterlassen.«

Wenn man die Sache von dieser Seite aus betrachtet, hat er natürlich recht und ich fühle mich auf der Stelle ziemlich schlecht – selbst wenn ich weiß, dass ich hier gerade manipuliert werde. »Okay, ich werde mich in Zukunft mehr anstrengen.«

Sein Miene hellt sich sofort auf. »Genau das wollte ich hören.«

»Gut. Jetzt muss ich mich aber dranmachen, ein kränkelndes Beowulf-Cluster zu beleben, ehe die freitägliche Ladung PGP wieder mal alle Cluster zum Einstürzen bringt. Und danach gibt es noch einen Tarot-Permutator abzugleichen und eine Sicherheitsprüfung bei einem dieser dämlichen Sammelkartenspiele zu machen – du weißt schon, für den Fall, dass ein paar bekiffte Künstler aus Texas aus Versehen ein perfektes Portal geschaffen haben. Gibt es sonst noch was?«

»Glaube nicht«, murmelt er und steht auf. »Aber wie hat es dir eigentlich gefallen, zur Abwechslung einmal rauszukommen?«

»Es war nass.« Ich erhebe mich ebenfalls und strecke mich. »Davon abgesehen, war es natürlich mal was anderes. Aber ich warne euch. Ich meine das mit dem Aufschreiben der Überstunden ernst, falls das jetzt öfter passieren sollte. Das mit den Fröschen war nämlich kein Witz.«

»Vielleicht wird das jetzt tatsächlich öfter passieren, vielleicht aber auch nicht.« Er klopft mir freundschaftlich auf die Schulter. »Du hast dich gestern Nacht gut geschlagen, Bob. Und ich kann deine Schwierigkeiten mit Harriet verstehen. Zufälligerweise ist nächste Woche noch ein Platz in einem Trainingsseminar frei. Das würde dich eine Zeit lang außer Reichweite bringen, und ich könnte mir außerdem vorstellen, dass es dir gefällt.«

»Ein Trainingsseminar?« Ich schaue ihn leicht     überrascht an. »Zu welchem Thema? Für die Windows NT-Systemadministration?«

Er schüttelt den Kopf. »Computerisierte Dämonologie für Anfänger.«

»Aber ich habe doch schon –«

»Ich erwarte nicht, dass du da irgendetwas Neues lernst, Bob. Es geht mir darum, dass du die anderen Teilnehmer im Auge behältst.«

»Die anderen?«

Er lächelt müde. »Du bist es doch, der in den aktiven Außendienst wollte …«

 

Wir sind nicht allein, die Wahrheit liegt da draußen, blablabla. Diese Art von esoterisch angehauchter Panikmache ist meist totaler Humbug … außer dass in jedem erfundenen Apfel tief im Kerngehäuse ein kleiner Wurm von Wahrheit steckt. Es verbergen sich zwar sicher keine Außerirdischen im Kühlraum der Army Airforce Base in Roswell, aber die Welt ist trotzdem voller Spione, die in dein Fenster einsteigen und deine Festplatte zerstören, falls du das falsche mathematische Theorem entdeckst. (Oder die auch Schlimmeres machen, aber das ist ein anderes Problem, mit dem sich die Hasenhirne vom Außendienst herumschlagen müssen.)

Meistens funktioniert das Universum genauso, wie sich das die Typen mit dem Dr. vor dem Namen so vorstellen. Moleküle bestehen aus Atomen, die wiederum aus Elektronen, Neutronen und Protonen zusammengesetzt sind – von dem die beiden Letzteren aus Quarks gebildet werden. Quarks bestehen aus Leptoquarks und so weiter und so fort. Man könnte sagen, es stehen quasi lauter Schildkröten aufeinander. Man kann auch nicht die längsten gemeinsamen Primfaktoren einer Zahl mit vielen Ziffern errechnen, selbst wenn man so viel Zeit hätte wie von jetzt bis zum Big Bang und das hoch drei. Das ginge nur mit einem Quantencomputer (was natürlich Betrug wäre). Außerdem gibt es wirklich keine Signale von fühlenden Organismen, die in einer Arecibo-Datenbank aufbewahrt werden und auch keine fliegenden Untertassen irgendwo in Area 51 (von den ultrageheimen Projekten der United States Airforce einmal abgesehen, die allerdings nicht zählen, weil sie auch nur mit Kerosin fliegen).

Aber das ist nicht die ganze Wahrheit.

Ich habe schon genug für mein Wissen gelitten, also werde ich es euch auch nicht allzu leicht machen und das Ganze einfach in einem knackigen Satz zusammenfassen. Nein, ich finde, ihr habt mehr verdient, eine richtige Erklärung. Verdammt, ich finde, jeder hat es verdient, zu erfahren, wie zerbrechlich die Struktur unserer Realität ist. Aber leider habe nicht ich die Regeln gemacht, und es wäre eine VERDAMMT BLÖDE IDEE, die Sicherheitsrichtlinien der Wäscherei nicht zu befolgen. In unserer Sicherheitsabteilung gibt es nämlich Dinge, mit denen man lieber nicht aneinander geraten sollte – ich würde sogar behaupten, es ist das Beste, wenn die gar nicht wissen, dass man existiert.

Also, wie gesagt, ich habe für mein Wissen gelitten, und das hier habe ich dabei erfahren. Ich könnte jetzt natürlich allen möglichen Müll über Crowley und Dee und die zahlreichen Mystiker, die es über die Jahrhunderte hinweg gab, erzählen, aber ich will es kurz machen: Die meisten selbst ernannten Magier wissen einen Dreck. Es ist nämlich Tatsache, dass traditionelle Magie normalerweise nicht funktioniert. Sie wäre auch total irrelevant, wenn es da nicht das Turing-Theorem gäbe – benannt nach Alan Turing, den man nun wirklich kennen sollte, falls man auch nur die leiseste Ahnung von Computern hat.

Diese Art von Zauberei funktioniert. Dummerweise.

Wenn man nicht zu uns gehört, hat man auch noch nichts von diesem Turing-Theorem gehört – zumindest nicht unter diesem Namen. Turing hat es nie veröffentlicht. Er ist vielmehr ziemlich überraschend gestorben, und zwar kurz nachdem er einem alten Kameraden aus Kriegstagen davon erzählt hatte. Er hätte den Kerl eigentlich besser kennen und ihm nicht vertrauen sollen. Das war übrigens der größte Erfolg der Wäscherei und gleichzeitig ihr schlimmstes Desaster. Ehrlich gesagt, haben sie peinlich überreagiert und es so auch noch geschafft, einen der bedeutendsten Köpfe aller Zeiten zu verlieren.

Jedenfalls ist das Theorem seitdem immer wieder entdeckt worden; es wurde allerdings ebenso oft wirkungsvoll unterdrückt – wenn auch nach jenem Vorfall etwas weniger heftig –, denn schließlich will niemand, dass so etwas öffentlich bekannt wird und es jeder x-beliebige Joe Cypherpunk im Internet verbreiten kann.

Das Theorem führt die diskrete Zahlentheorie weiter, die einerseits die Church-Turing-Hypothese widerlegt (bitte winken, falls das klar ist) und andererseits, was wesentlich schlimmer ist, NP-vollständige Probleme in P-vollständige überführt. Das zieht mehrere Konsequenzen nach sich, angefangen mit der Zerstörung kryptografischer Algorithmen – übersetzt: Alle Eure Bankkonten gehören uns – bis hin zur Fähigkeit, computerisiert eine Dho-Nha-Geometriekurve in Echtzeit zu erstellen.

Dies ist nur geringfügig weniger gefährlich als Computerfreaks mit einem Laptop zu erlauben, dieses in eine Wasserstoffbombe zu verwandeln. Alles, was ihr über unser Universum wisst, stimmt – wenn es da nicht das kleine Problem gäbe, dass unser Universum nicht das Einzige ist, worüber wir uns Gedanken machen müssen. Informationen können durch eine undichte Stelle von einem Universum zum anderen gelangen, und in einer kleinen Anzahl von anderen Universen gibt es Dinge, die zuhören und auch antworten – siehe Al-Hazred, Nietzsche, Lovecraft, Poe und so weiter. Die Vielwinkligen, wie man sagt, leben auf dem Grund der Mandelbrot-Menge, es sei denn, eine passende Zauberformel holt sie ins platonische Reich der Mathematik – ob computerisiert oder nicht. (Und ihr habt angenommen, dass diese fraktalen Bildschirmschoner gut für eure Computer sind?)

Ach ja, habe ich schon erwähnt, dass die Bewohner dieser anderen Universen nicht unbedingt nach unseren Regeln spielen?

Allein das Lösen bestimmter Theoreme schlägt im platonischen Über-All hohe Wellen. Wenn man dann auch noch große Energie durch eine Matrix pumpt, die genau nach den richtigen Parametern eingestellt ist – welche sich offensichtlich aus der von mir genannten Geometriekurve ableiten, die sich wiederum sehr leicht aus dem Turing-Phänomen deduzieren lässt –, kann man diese Wellen sogar verstärken, bis sie schließlich gewaltig große Löcher in die Raumzeit reißen und kongruente Segmente von Universen, die normalerweise voneinander getrennt sind, verschmelzen. Und dann ist es nicht empfehlenswert, in diesem Moment im Weg zu stehen.

Genau für solche Fälle haben wir die Wäscherei …

 

Ich schlurfe an meinen Schreibtisch zurück – mit einem kurzen Abstecher zum Kaffeeautomaten, wo ich mir einen Becher widerlich klebriger Brühe hole, die meine Backenzähne mit körnigem Schleim überzieht. In der versiegelten Rohrpost warten drei geheime Memos auf mich; eines davon dreht sich um die unverhältnismäßige Verschwendung von staatlich subventionierter Zahnpasta. In meiner Inbox befinden sich zudem hundertzweiunddreißig Nachrichten, die alle gelesen werden wollen. Und auf der anderen Seite des Gebäudes gibt es einen kaputten Beowulf-Cluster, der dringend von mir einen neuen Ethernet-Hub installiert haben möchte, um sich dann wieder unserer Gang aus Kryptobrechern anschließen zu können. Es ist meine Schuld, dass ich der Rechnertyp der Abteilung geworden bin: Wenn die Maschinen mal nicht wollen, wedle ich so lange mit einem toten Huhn herum und tippe irgendwelche Voodoo-Beschwörungen in ihre Tastaturen, bis sie wieder laufen. Was bedeutet, dass die Typen, die sie ursprünglich haben abstürzen lassen, mich immer wieder zurückholen und für alles verantwortlich machen, was sie kaputt gemacht haben.

Man kann sich also vorstellen, wem ich als Erstes meine volle Aufmerksamkeit zuwende. Genau. Der beige-grünen Wand, die meinem Schreibtisch gegenüberliegt. Ehe ich nicht fünf Minuten lang dumpf und gedankenlos darauf gestarrt habe, kann ich mich nicht einmal dazu überwinden, meine Mails durchzusehen. Irgendwie habe ich ein schlechtes Gefühl, was den heutigen Tag betrifft, auch wenn eigentlich keine Katastrophen bevorstehen – jedenfalls keine angekündigten. Aber ich spüre es deutlich: Das wird einer dieser Freitag-der-Dreizehnte-Tage, auch wenn heute ein Mittwoch, der Siebzehnte ist.

Um mich gleich mal in die richtige Stimmung zu bringen, gibt es eine Mail von Mhari, die mich über eine meiner geheimen Inboxen erreicht. (Man darf sich hier nämlich nicht beim privaten Mailverkehr erwischen lassen, weshalb ich verdammt gut aufpasse. Aber da ich die Firewall der Abteilung installiert habe, stellt das kein größeres Problem dar.) Du asoziales Aas, lass dich bloß nie mehr hei mir blicken. Als ob ich das wollte! Das letzte Mal bin ich vergangenes Wochenende bei ihr gewesen. Ich habe versucht, ihr meine staatlich subventionierte Zahnpasta wieder abzujagen. Irgendwie ist es mir sogar gelungen, keine obszönen Beleidigungen an ihren Badezimmerspiegel zu schmieren, so wie sie es bei mir gemacht hat, als sie meine Stereoanlage als die ihre reklamierte. Vielleicht war ich da ein wenig nachlässig.

Nächste Mail: Genaue Richtlinien, was Krankmeldungen betrifft – von Harriet digital unterzeichnet und mit dem Hinweis versehen, dass mehr als eine halbe Stunde Abwesenheit das Attest eines Arztes notwendig mache. Am Besten gleich im Voraus. (Warum überkommt mich plötzlich das sichere Gefühl, jeden Augenblick stechende Kopfschmerzen zu bekommen?)

Drittens eine Anfrage von Fred aus der Buchhaltung – ein totaler Loser, den ich idiotischerweise einmal angelächelt habe, als ich Bereitschaftshöllendienst hatte: »Hilfe! Ich kann meine Dateien nicht mehr finden.« Fred hat gerade mal die hohe Kunst des Ein- und Ausschaltens gemeistert, kann aber dummerweise mit Tabellen hinreichend gut umgehen, um unsere Gehaltsabrechnungen in Gefahr zu bringen. Als ich das letzte Mal eine Nachricht von ihm bekam, stellte sich heraus, dass er die frühere Version einer wichtigen Software auf seiner Festplatte reinstalliert und somit alles andere zerstört hatte und außerdem noch die Frechheit besaß, Rundmails mit Virus verseuchten Witzen zu verschicken. (Ich leite seine Anfrage an den Bereitschaftshöllendienst weiter, sodass sich der Typ damit herumschlagen kann, der gerade Dienst hat. Er wird mich zwar verfluchen, aber ihm wird nichts anderes übrig bleiben als Fred irgendwie behilflich zu sein.)

Ich verbringe noch einmal fünf Minuten damit, die abgesprungene Ölfarbe an der Wand hinter meinem Monitor zu begutachten. Irgendwie habe ich die Befürchtung, mein Kopf könnte jeden Moment platzen, und in unserem Büro gibt es wegen verschiedenster Arbeitsplatzschutzvorschriften nicht einmal Aspirin. Nach dem sinnlosen Fiasko von vergangener Nacht kann ich mich heute sowieso für nichts mehr so recht begeistern, und ich habe das dumpfe Gefühl, dass auch ein längerer Aufenthalt hier nicht helfen wird, meinen Enthusiasmus neu zu entfachen. Außerdem habe ich mir gestern zwei freie Tage an Überstunden verdient und darf das abfeiern. Mein Selbsthilfebuch rät mir zudem dringend, noch länger um meinen verstorbenen Hamster zu trauern, und dieses Scheiß-Beowulf-Cluster soll doch sehen, wo es bleibt.

Ich logge mich also aus dem Secure Terminal aus und verdrücke mich frühzeitig nach Hause: eure Steuern bei der Arbeit.

 

Es ist inzwischen acht Uhr abends, und ich habe noch immer Kopfweh. Pinky befindet sich unten im Keller und bereitet einen weiteren Angriff auf die Gesetze der Natur vor.

Die TV-Konsole im Wohnzimmer von Chateau Cthulhu, dem Geek-Haus, das ich mit Pinky und Brain teile (beide arbeiten ebenfalls für die Wäscherei), ist im Grunde Zuckerwatte fürs Hirn – der verzweifelte Versuch Pinkys, der ständigen Bedrohung durch kreative Psychose in unserem Haushalt Einhalt zu gebieten. Da muss er wohl zur Abwechslung mal zurechnungsfähig gewesen sein. Zur Ausrüstung gehört ein Decoder, eine Satellitenschüssel, eine Sony Playstation und ein selbst gebauter Web-TV-Empfänger, den Brain mal zwischendurch in einer halben Stunde der Langeweile zusammengebastelt hat. Der Turm thront wie eine schwarz gebürstete postmoderne Skulptur in einer Ecke, gegenüber von einem beigen Kordsofa, und ist mit einem Kabelsalat an die Steckdose angeschlossen. Hier können wir nach einem Tag harter Arbeit ausspannen und für kurze Zeit die ewigen Überprüfungen von New-Age-Webseiten (falls sie zufällig etwas Gefährliches erfunden haben sollten) vergessen. Nachdenken als Broterwerb kann zu echter Hirnstauchung führen. Wenn man da nicht immer mal wieder die Sau rauslässt, sich ein paar Bier oder sonst was reinzieht, schrottige Filme im Fernsehen anschaut und grölend ein paar Lieder singt, dann besteht die Gefahr, dass man eines Tages glaubt, Sonic der Igel zu sein oder dass sich hinter der uralten Mrs. Simpson im Haus gegenüber in Wahrheit ein Zweischwanz verbirgt. Könnte blöd laufen, vor allem wenn die Leute von der Sicherheit einen gerade in diesem Moment im Visier haben.

Ich sitze vor der Flimmerkiste, eine Dose Bier in der Hand und eine aufgeklappte Pizzaschachtel auf dem Schoß, und schaue zu, wie auf dem Discovery-Kanal irgendwelche Dinge vorbeirasen und explodieren. Da höre ich auf einmal ein schreckliches Stöhnen, das unter dem Teppich hervorzukommen scheint. Zuerst achte ich nicht weiter darauf, denn das Dokudrama, das gerade läuft, zeigt einen grausamen Flugzeugabsturz. Als das Geräusch allerdings nach einigen Sekunden nicht aufhört, wird mir klar, dass es sich nicht um Pinkys apokalyptische Stereoanlage handeln kann, die diese Laute von sich gibt. Wenn ich nichts dagegen tue, werde ich vielleicht gleich durch die Bodenplanken gesogen. Also stehe ich etwas unsicher auf und schlängle mich an, allen möglichen Gegenständen, die wie immer im Weg liegen, vorbei in die Küche. Die Kellertür steht offen, das Licht ist an und das Geräusch kommt eindeutig von unten. Ich greife nach dem Feuerlöscher und klettere langsam die Treppe hinunter. Ein unheilvoller Ozongeruch steigt mir in die Nase …

Chateau Cthulhu ist ein viktorianisches Reihenhaus, eine typisch anonyme Londoner Wohnzelle, die sich von ihren Nachbarn allerdings insoweit unterscheidet, als sie drei Kellerräume aufweist und von der Wäscherei als sauber befunden wurde, was heißt, dass wir wahrscheinlich weder vom KGB noch vom CIA oder möglichen Gegnern des MI6 abgehört werden. Insgesamt gibt es vier große Schlafzimmer, die man alle abschließen kann, eine gemeinsame Küche, ein Wohnzimmer, ein Esszimmer und ein Bad. Die Wasserleitungen gurgeln des Nachts manchmal leicht bedenklich, und den Teppichboden ziert ein besonders grelles Paisleymuster, das so um 1880 der letzte Schrei gewesen sein muss und dann von besonders knausrigen Vermietern in den 1980ern wiederentdeckt wurde.

Als wir einzogen, war eines der Kellerabteile voller Gerümpel, im nächsten befanden sich zwei rostige Fahrradrahmen und mumifizierter Katzenkot, während wir im dritten abgebrannte Kerzenstumpen und ein mit blauer Kreide aufgezeichnetes Pentagramm auf dem Boden entdeckten. Die Vorzeichen sind gut: Das Haus steht genau am Eck eines gleichseitigen Dreiecks aus Straßen, unsere Straße verläuft von Osten nach Westen, und keine Fernsehantennen blockieren die südliche Dachlinie. Brain tat so, als wäre er ein bigotter Gotteskrieger, und schaffte es, die Miete um zehn Prozent herunterzuhandeln, indem er versprach, im Gegenzug die bösen Kräfte im Keller zu exorzieren. Zuvor hatte er Mr. Hussein davon überzeugt, dass ein Haus mit einer Geschichte kultischer Rituale auf dem Mietmarkt schwer an den Mann zu bringen sein könnte. (Natürlich Unfug, aber ein Unfug, der sich finanziell ausgezahlt hat.) Der frühere Tempel gehört jetzt Pinky, und wenn Mr. Hussein ihn sehen könnte, würde er wahrscheinlich einen Herzinfarkt kriegen. Es sind nicht so sehr die zweifelhaften Verkabelungen oder die fast zwei Meter hohen Regale, in denen sich Teile von Pinkys Strowger-Telefonzentrale aus den Fünfzigerjahren befindet, die einen zufälligen Besucher beunruhigen könnten. Nein, es ist vielmehr die Tatsache, dass Pinky das dilettantische Kreidegekritzel durch eine optische Bank, Marke Eigenbau, und eine vernünftig eingestellte Strahlenteilervorrichtung (samt fünf Prismen) ersetzt hat, die das frühere Pseudo-Seance-Getue nicht nur als lächerlich entlarven, sondern das Ganze vor allem voll funktionstüchtig machen.

(Genau, es ist ein Pentagramm. Ja, er benutzt einen fünfzig Kilovolt starken HT-Netzanschluss und einige verdammt große Anlaufkondensatoren, um den Laser zum Laufen zu bringen. Richtig, das da am Garderobenständer ist gegerbtes Ziegenleder, und dort sieht man eine halb gegessene Pizza, die mit dreiunddreißig Umdrehungen pro Minute auf dem Lin-Sondek-Plattenspieler herumwirbelt. So ist das, wenn man mit Typen wie Pinky und Brain zusammen wohnt. Ich habe es ja bereits gesagt. Das hier ist ein Geek-Haus, und wir arbeiten alle in der Wäscherei. Und das bedeutet, dass wir in einem echt abgefahrenen, ja geradezu okkultistischen Geek-Haus wohnen.)

Der Ozongeruch und das unheilvolle Knistern kommen aus dem HT-Netzanschluss, während das Stöhnen oder vielmehr Ächzen den Lautsprechern entspringt (schwarze Monolithen der 2001 HiFi-Engineering-Schule). Ich schleiche auf Zehenspitzen in einem weiten Bogen um das Stromversorgungsmodul und hebe das Mikrofon auf, das vor dem linken Lautsprecher liegt. Dann reiße ich etwas am Kabel. Ein irrsinniger Knall erfolgt, und das Feedback verstummt. Wo zum Teufel ist Brain? Ich schaue mir das Netzteil genauer an. Im Inneren der Einheit flackert ein blau-weißes Licht, das Böses ahnen lässt. Wenn wir uns in irgendeinem anderen Haus befänden, würde ich jetzt einfach zum Sicherungskasten gehen und alles in Dunkelheit tauchen. Aber hier stehen ein paar Kondensatoren, die es mit einer kleinen Waschmaschine aufnehmen könnten, und ich habe keine Lust, zu versuchen, diese Dinger in einem dunklen Keller in Sicherheit zu bringen. Ich packe den Feuerlöscher – einen ziemlich illegalen Halon-Kanister, der in unserem Haushalt allerdings notwendig ist – und bewege mich vorsichtig vorwärts. Der Hauptschalter, ein massiver Messerschalter, befindet sich auf dem Gehäuse über der Stromversorgungseinheit. Daneben steht ein Holzstuhl. Ich packe ihn an der Rückenlehne und benutze ein Bein, um damit den Schalter umzulegen.

Wieder gibt das Netzteil ein lautes Scheppern und gleichzeitig einen Knall von sich. Hoppla, jetzt habe ich wohl den magischen Rauch entlassen! Ich stelle den Stuhl wieder auf den Boden, reiße den Stift des Feuerlöschers heraus und spritze los, wobei mir gerade noch rechtzeitig einfällt, mich von den großen Kondensatoren fernzuhalten. (Man kann sie übrigens mit offen liegenden Anschlüssen stehen lassen, und sie holen sich die statische Ladung aus der Luft; wenn man sie dann eine halbe Stunde später mit einem Schraubenzieher berührt, sollte der unbedingt einen isolierten Griff haben, denn man wird ihn dann hundert Pro nicht mehr benutzen können. Sollte allerdings die Isolation defekt sein, kann man sich gleich ein paar neue Finger anschaffen.)

Der Rauch formt einen kleinen Ring in der Luft und erinnert an einen unnatürlich perfekt geformten Donut, wie er so direkt unter der hin und her schwingenden Glühbirne schwebt, die als Lampe dient. Aus den Lautsprechern ertönt in weiter Ferne ein Lachen.

»Was habt ihr mit ihm gemacht?«, brülle ich und vergesse dabei, dass das Mikro gar nicht an ist. Das Pentagramm auf der optischen Bank ist zwar abgeschaltet und leer, aber daneben steht ein zugeschraubtes Glas, auf dem ein Schildchen klebt: Staub aus der Gruß der Mumie (geh. Winchester Road Krematorium). Man muss kein Geisterbeschwörer sein, um zu kapieren, was das bedeutet.

»Mit wem gemacht?«

Ich erschrecke mich fast zu Tode. Hastig drehe ich mich um und entdecke Pinky. Er steht im Türrahmen und schaut mich verärgert an, während er mit einer Hand seine Jeans zusammenhält.

»Ich habe gerade die Toilette beglückt«, erklärt er. »Was ist hier eigentlich los?«

Schweigend zeige ich auf das Netzteil.

»Du hast doch nicht –« Er spricht nicht weiter, sondern rauft sich stattdessen die dünnen Haare. »Meine Kondensatoren! Du Idiot!«

»Das nächste Mal, wenn du versuchst, das Haus abzufackeln und/oder irgendein Monster ohne geeignete Abschirmung aus dem Höllenschlund rufst, wäre es echt nett, mich vorzuwarnen. Dann kann ich mir nämlich rechtzeitig einen Kontinent aussuchen, auf den ich flüchten will.«

»Die haben mich am Camden Market fünfzig Mäuse gekostet!« Er beugt sich besorgt über den Netzanschluss, allerdings nicht besorgt genug, um ihn ohne Isolierhandschuhe anzufassen.

»Na und? Plötzlich höre ich da oben, wie das Feedback aufjault. Wenn du das verdammte Dinge nicht abschaltest, ehe du dem Ruf der Natur folgst, dann solltest du dich auch nicht wundern, wenn die Natur plötzlich aus der anderen Richtung ruft.«

»Scheiße.« Er schüttelt den Kopf. »Kann ich mir mal deinen Laserpointer ausleihen?«

Ich gehe wieder nach oben, um mir die Flugzeugkatastrophe weiter reinzuziehen. Solche Vorfälle wie der eben lassen mich ernsthaft darüber nachdenken, ob ich mich nicht vielleicht doch nach neuen WG-Partnern umsehen sollte. Wenn nur die Auswahl der von der Sicherheitsabteilung als clean befundenen Mitbewohner größer wäre!